![]() Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Gendarmenmarkt Berlin, 22. + 23. November 2002 | |||||||
|
|||||||
|
Forschungsplätze an deutschen Einrichtungen sind unter jungen chinesischen Forschern -beispielsweise in der Photophysik und in der Biologie - beliebt und begehrt. Im Vorfeld der Hochschulmesse China Campus Berlin 2002, die am 22. und 23. November in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stattfindet, informieren wir Sie über die aktuellen Entwicklungen in der chinesischen Hochschullandschaft. Hintergrund: Die chinesische Hochschullandschaft verändert sich in rasantem Tempo. Die Anzahl von derzeit ca. 25 bis 30 Spitzenuniversitäten, an denen in der VR China substantielle Forschung auf internationalem Niveau betrieben wird, soll mit dem 1995 verabschiedeten "Projekt 211" des Pekinger Bildungsministeriums auf 100 (von insgesamt 1000 chinesischen Hochschulen) erhöht werden. Bei diesem ehrgeizigen Projekt wird der Kampf um die staatlichen Mittel härter. Aktualität: Die Rekrutierung von jungen, exzellenten Wissenschaftlern für die eigene Hochschule wird daher zu einem entscheidenden Etappenziel auf dem Weg an die Spitze. Nicht selten erwerben die Protagonisten dieser neuen, selbstbewussten chinesischen Wissenschaftlergeneration ihre Meriten in Deutschland an hochrangigen Forschungseinrichtungen wie dem Institut für Angewandte Photophysik (IAPP) der Universität Dresden oder dem Max-Dellbrück-Zentrum für Molekulare Medizin der Humboldt-Universität zu Berlin in Berlin-Buch. Die Forscherteams sind an diesen Einrichtungen international besetzt. Die jungen, chinesischen Forscher und Forscherinnen sind Stipendiaten der Alexander von Humboldt-Stiftung oder Mitarbeiter in einem deutsch-chinesischen Projekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Am IAPP habe ich mit Herrn Dr. Zhou gesprochen, der sich momentan auf interessante Stellen an chinesischen Universitäten bewirbt. In Berlin habe ich mich mit Frau Dr. Hu (28 Jahre) getroffen, die am Max-Dellbrück-Zentrum für Molekulare Medizin forscht. Beide Forscher zeichnen sich durch ein bisher ungekanntes Selbstbewusstsein aus, das Chinas Universitäten und Wissenschaftslandschaft in den nächsten Jahren verändern wird und bereits heute verändert. NEU: Angefeuert durch das ehrgeizige "Projekt 211" wissen diese Wissenschaftler um die Probleme, die das chinesische Bildungssystem jahrzehntelang selbst produziert hat. Hervor-stechend ist das Problem des "brain drain". In den 80er und 90er Jahren hat China ganze Generationen von erstklassigen Forschern an die Vereinigten Staaten und zu einem Teil auch an Deutschland verloren. Chinesische Stipendiaten blieben nach Ablauf des Stipendiums, weil die Aussichten auf Forschungsmöglichkeiten an chinesischen Universitäten zu gering waren. Es fehlte an Forschungseinrichtungen, an fachlich qualifizierten Betreuern und an einem attraktiven Lebensstandard als Hochschullehrer. Dies soll sich nun ändern und das tut es bereits merklich. Die Konkurrenz unter jungen chinesischen Wissenschaftlern ist groß. Nur die Besten werden wirklich ihre Wünsche verwirklichen können. Dass diese Wünsche so klar von den Wissenschaftlern artikuliert werden, ist indessen neu. Frau Dr. Hu gehört bereits zu den Wissenschaftlern, die ohne einen Magisterabschluss gemacht zu haben, gleich an der Universität Südostschinas in Nanjing promoviert hat und nun über das Graduiertenprogramm der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Berlin-Buch auf dem Weg zu Spitze forscht. Frau Dr. Hu geht davon aus, dass sie ihre Vorstellungen und Ansprüche, die sich an einem internationalen Forschungsteam im Max-Dellbrück-Zentrum orientieren, in China wird umsetzen können, denn ihrer Meinung nach wird über den Rang einer Hochschule mit den Füßen abgestimmt: "Wer kein gutes Programm anbietet, bekommt auch keine erstklassigen Studenten." Herr Dr. Zhou, der Grundlagenforschung für "organische (polymere) Bildschirme" am IAPP betreibt und sich damit quasi auf dem Weg befindet, gewölbte, transparente Bildschirme wie in Stephen Spielbergs "Minority Report" zu entwickeln, hat sich noch nicht entschieden, ob er eine nicht sehr hochdotierte Stelle an seiner Alma Mater, der Fudan Universität in Shanghai (einer der ersten 5 Universitäten Chinas), annehmen wird, oder ob er die Chance bekommt, an einer anderen Hochschule, die in die Gruppe der "Top 100" aufschließen will, eine eigene Forschungseinrichtung aufzubauen. Fest steht für ihn, dass seine Wissenschaftssprache Englisch ist, dass er Forschung von internationalem Rang betreiben und mindestens in binationalen Forschungsprojekten mit Deutschland arbeiten will. Resultat: Sicher ist, dass die neue Generation der chinesischen Forscherelite Chinas Rolle in "globale scientific community" verändern kann und wird. Die kolossalen Anstrengungen, die das "Projekt 211" unternimmt, beziehen sich auf zwei Kernbereiche, die sich selbstverständlich widersprechen, wenn nicht sogar ausschließen: die Erhöhung des wissenschaftlichen Standards sowie die Verbreiterung der akademischen Ausbildung - bei 1,2 Milliarden Einwohnern keine leichte Aufgabe. Frau Dr. Hu und Herr Dr. Zhou werden neben anderen Wissenschaftlern im Forum I von China Campus Berlin 2002 am Freitag, den 22. November ab 16:30 Uhr über Ihre Sicht der chinesischen Hochschullandschaft und deren Zukunft, an der sie mitwirken wollen, berichten. Dieser Artikel als PDF-Datei zum Download
|
||
|
Veranstalter CSCSE China Service Center for Scholarly Exchange in Kooperation mit Humboldt-Universität zu Berlin Schirmherrschaft Bildungsministerium der Volksrepublik China |
||
|