Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, Gendarmenmarkt
Berlin, 22. + 23. November 2002

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Zwei Berliner Klimaforscher in China
von Torsten Flüh, 5. November 2002

Zusammenfassung: Dieser Artikel informiert über die Entwicklung der Volksrepublik China als Wissenschaftsstandort am Beispiel der Geowissenschaften. Die Paläontologie als Untergebiet der Geowissenschaften hat durch die Entwicklung dieses Wissensbereichs an Aktualität gewonnen. Zwei junge Berliner Forscher haben die Entwicklung ihres Forschungszweigs in China hautnah miterlebt. Sie werden am 22. November 2002 um 16:30 Uhr und am 23. November um 12:00 Uhr bei China Campus Berlin 2002 von ihren Erlebnissen berichten.

- Paläontologie beschreibt nicht mehr nur Dinosauriereier
- Das Klima vor 10.000 Jahre in der Wüste Gobi
- Spitzentechnologie und Spitzenforschung für Klimaforscher in China

Paläontologen sind heute Klimaforscher: Ulrike Herzschuh und Dr. Steffen Mischke im Geowissenschaftlichen Institut der Freien Universität Berlin auf dem Campus Lankwitz packen gerade Versteinerungen, Bohrkerne und so weiter aus der Eisenkiste, die mitten in ihrem Büro steht, aus. Frau Herzschuh, von Haus aus Biologin, und Herr Dr. Mischke, von Haus aus Geograph, arbeiten im Interdisziplinären Zentrum "Ökosystemdynamik in Zentralasien" unter der Leitung von Prof. Frank Riedel. Sie betreiben Klimaforschung.

Wie sah das Ökosystem in der Wüste Gobi vor ca. 8.000 Jahren aus? Bevor ich mit Frau Herzschuh und Herrn Dr. Mischke sprach, hatte ich diese verstaubte Vorstellung von der Paläontologie: die beschäftigen sich mit Dinosauriereiern und Farnen in Schieferplatten. Dieses Bild von der Paläontologie ist längst überholt. Paläontologen beschäftigen sich heute auch mit Klimaforschung. Natürlich über einen etwas längeren Zeitraum. Sie blicken zurück in die Ökosysteme der letzten 10.000 Jahre. Sie beobachten Klimaschwankungen wie sie beispielsweise in der Wüste Gobi in dieser Zeitspanne stattgefunden haben. Dabei blicken und beobachten sie wirklich: Ulrike Herzschuh schaut durch ein hochauflösendes Mikroskop und hat gerade einen Beifusspollen im Visier. Auf einer Liste trägt sie ein, wie viele Pollen von welcher Pflanze in einem Sediment zu finden sind. So lässt sich das pflanzliche Leben in der Wüste Gobi vor ca. 8.000 Jahren ziemlich genau rekonstruieren.

Ein Photo vom Leben vor 8.000 Jahren: Dr. Mischke beschäftigt sich mit den Kleinlebewesen in den Wasserläufen der gleichen Gegend vor der selben Zeit. Sein Fachgebiet ist also die Limnologie. An der Schrankwand in seinem Büro - daneben die Zargeskiste mit den jüngsten Fundstücken - hängen beeindruckende Photographien von kleinsten Krebsen. Es sind natürlich keine "normalen" Photographien, sondern Photographien aus dem Rasterelektronenmikroskop. Steffen Mischke weist mich auf ein Photo hin, auf dem man auch gut die "Weichteile" im Innern des Krustentiers sehen kann. Leben! Bestandteil eines Ökosystems vor 7.000 bis 8.000 Jahren.

Zum Forschen für die Doktorarbeit nach China: Ulrike Herzschuh kommt gerade aus China. Sie hat im Rahmen eines DAAD-Promotionsstipendiums an der Universität Lanzhou im Nordwesten des Riesenreichs eineinhalb Jahre die Sprache gelernt und das Ökosystem für ihre Doktorarbeit erforscht. Jetzt kann sie einige Fachbegriffe und Fachartikel aus ihrem Forschungsbereich schon ganz gut in Chinesisch lesen. Für sie sind Partei- und Fach-Chinesisch zur Fachsprache Chinesisch geworden. Das ist in ihrem Fach - Paläontologie - auch nötig. Zwar spricht man in dem Institut in Lanzhou wie auch in anderen international renommierten Forschungsprojekten in China Englisch, aber wichtige Fachartikel werden doch auch in Chinesisch veröffentlicht. Und China ist führend in Paläontologie. Die Stadt Lanzhou beherbergt ein international anerkanntes Forschungszentrum für Geowissenschaften. Und das Forschungszentrum für Limnologie (Seenkunde) der Academia Sinica an der Nanjing-Universität ist eines der weltweit führenden Zentren.

In den Geowissenschaften müssen sich die Forscher mit China und Chinesisch befassen: Während in Deutschland die kostspieligen Instrumente und Mikroskope für diesen Forschungszweig kaum mehr angeschafft werden können, hat China in den letzten 5 Jahren aufgeholt und technologisch diesen Forschungsbereich in Deutschland bereits überflügelt. "In unserem Forschungsgebiet kann man nicht mehr von Entwicklungshilfe sprechen", sagt Ulrike Herzschuh, "das ist vielmehr ein 1:1-Verhältnis. In meinem Fachgebiet ist es gar nicht mehr möglich, dass ich mich nicht mit China und Chinesisch befasse."

China - der neue Wissenschaftsstandort: Dr. Mischke konnte die Entwicklung der chinesischen Wissenschaft in diesem Bereich seit 1993 verfolgen. "Früher haben wir die Proben mit nach Berlin genommen und die Untersuchungsergebnisse nach Lanzhou geschickt. Heute machen die das selber. Sie haben modernere Instrumente als wir." - Eine Entwicklung, die für andere Wissenschaftsbereiche in Zukunft auch zu erwarten ist? "Für andere Wissenschaftsbereiche kann ich das natürlich nicht sagen", meint Ulrike Herzschuh, "aber für mich ist China als Wissenschaftsstandort ganz unverzichtbar."

Ulrike Herzschuh wird am Freitag den 22. November um 16:30 Uhr über ihre Erfahrungen als Wissenschaftlerin in China berichten. Sie und Dr. Steffen Mischke werden am 23. November um 12:00 Uhr in der "AG Naturwissenschaften" mit Studenten über ihre China-Erfahrungen sprechen.

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  Veranstalter CSCSE China Service Center for Scholarly Exchange
in Kooperation mit Humboldt-Universität zu Berlin
Schirmherrschaft Bildungsministerium der Volksrepublik China


Konzept und Realisierung
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in Kooperation mit INSIDE A - Asien Netzwerk, Berlin

    

 


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